Zum Tode des langjährigen chilenischen Präsidenten Augusto Pinochet am 10.12.2006 und den Ereignissen, Äußerungen und Veröffentlichungen dazu gibt es meines Erachtens auch Aspekte der Wahrheit anzumerken, die in der politischen Korrektheit unserer Zeit - um sie einmal so zu nennen - wenig aufscheinen:
Der Sozialist Salvador Allende, der in dem Staatsstreich vom 11. September 1973 gestürzt wurde, muss nicht die Lichtgestalt gewesen sein, als die in die veröffentlichte Meinung heute gerne zeigt: Hyperinflation, zunehmende Versorgungsmängel, negatives Wachstum der Wirtschaftskraft, wachsende Staatsdefizite,Schwarzmarktwachstum waren eine harmlosere Seite des “demokratischen Marxismus”. Beziehungen zu militanten linken Gruppierungen, massive eigene Verstösse gegen chilenisches Recht wie Entscheidungen des Obersten Gerichtshofes oder des chilenischen Parlamentes, bis hin zu den Gerüchten um dir Formulierung eines “Plan Z” für einen eigenen Staatsstreich machen nicht unwahrscheinlich, dass Allende sehr wohl unterwegs war, dem Vorbild seines engen Freundes Fidel Castro zu folgen: in Chile eine kommunistische Tyrannei als Diktatur des Proletariats zu errichten. Seine bewusste Anlehung an den “Ostblock” des damaligen kalten Krieges machte Allendes Haltung nicht nur aus meiner Sicht auch über Chile hinaus bedeutsam - die Sicherheit des Westens wurde auch damals “auch am Hindukusch” bedroht.
Ob es eine Wahrung von Menschenrechten unter einem fortgesetzten Regime Allende gegeben hätte, kann man nur spekulieren - Allendes Freund Fidel Castro jedenfalls hat bekanntermassen Tausende von Toten unter den kubanischen “Konterrevolutionären” zu verantworten.
War der Staatsstreich Pinochets vielleicht auch eine Selbstverteidigungsmassnahme der Nicht-Marxisten vor dem globalen Hintergrund zwar “kalter”, aber deswegen für uns alle nicht weniger dramatischer und entscheidender Attacken der sozialistischen Weltrevolutionäre?
Pinochets “Wunder von Chile”, das durch Deregulation und Privatisierung im Sinne Milton Friedmans ein anhaltendes Wirtschaftswachstum und zunehmenden Wohlstand fuer Chile schaffte, hatte nach einem relativ gewaltfreien Putsch die schlimme Schattenseite der bekannten staatlichen Verletzung der Menschenrechte seiner linken Gegner - obwohl im Kalten Krieg, obwohl in einem Umfeld, in dem Militärdiktaturen ganz Lateinamerika überzogen und “üblich” waren, obwohl zumindest geduldet von uns im freien Westen sind wir heute glücklicherweise übereinstimmend der Meinung, dass der Zweck nicht die Mittel heiligt und Pinochet ist, soweit dafür verantwortlich, zu Recht in der öffentlichen Weltmeinung dafür verurteilt worden. Auch wenn in einer Welt von Wällen und eisernen Vorhängen nicht wenige, wie ich, froh waren, dass auf den Wällen Männer wie Pinochet standen, sie zu verteidigen, wissen wir heute wieder, dass auch dabei Grenzen der Menschlichkeit nicht überschritten werden dürfen -auch wenn in Krisensituationen dies leicht geschehen kann, siehe Guantanamo und anderswo.
Ein zweites Wunder von Chile in meinen Augen und eines, das Pinochet doch viel Licht geben sollte, ist, dass es 1989 in seinem Chile möglich war nach einem eigentlich nicht bindenden Referendum, in dem er 1988 immerhin 42% der Stimmen erhielt, freie Präsidentschaftswahlen abzuhalten und zur Demokratie zurückzukehren. In Castros Land, um nur ihn zu nennen, ist das bis heute nicht möglich. Vielleicht hat deswegen auch die ehemalige britische Premierministerin Margaret Thatcher, europäisch-demokratisches Urgestein, Pinochet öffentlich dafür gedankt, Chile die Demokratie (wieder-)gebracht zu haben.
Für Augusto Pinochet wird und muss es ein “santo subito” nicht geben - dafür ist in dem, was wir über ihn wissen und zu wissen glauben, zu viel Schatten. Aber dass da auch viel Licht war, das sich für mich ganz subjektiv auch in dem Gesicht des alten Pinochets widerspiegelte, dass da auch viel Licht war und etwas davon auch auf uns alle im freien Westen gefallen ist, sollte zumindest in einem “Leserbrief” aufscheinen. Requiescat in pace.
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