In der Abteilung “Briefe an die Herausgeber” der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von heute wird über das aktuelle Thema Familienpolitik und Kinderbetreuung diskutiert.
Ein Leserbrief mit dem Titel “Altertümliche Geschlechterrollen” sticht mir dabei mit seinen Thesen ins Auge (gerade weil sie weitverbreitet und oft wiederholt sind):
- Konservative Politik verhindert “die Schaffung hinreichender Betreuungsmöglichkeiten für kleine (sic!) Kinder aus einem altertümlichen Verständnis der Geschlechterrollen”
- “Die Berufstätigkeit beider Eltern ist grundsätzlich nicht weniger wertvoll als die Entscheidung von Müttern, ganz für die Kinder da zu sein.”
- “Die Schaffung von Krippenplätzen, die gerade weniger gut verdienenden Familien die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglicht” ist ein “Akt sozialer Gerechtigkeit”.
- Es ist unangemessen, daß Frauen mit Kindern “ihren Beruf fortan auf Sparflamme schalten”. Berufliches Engagement und die Fürsorge für Kinder schließen einander nicht aus.
- Die Wirtschaft kann nicht auf die Kompetenz qualifizierter Frauen verzichten.
Dieser Leserbeitrag krankt meines Erachtens - exemplarisch! - an weit verbreiteten, aber falschen und abzulehnenden Prämissen:
Schon die kämpferische Ablehnung unterschiedlicher Geschlechterrollen hat als Überspitzung im Bemühen um die Gleichberechtigung der Frau in vergangenen Jahrzehnten vielleicht eine Funktion gehabt. Am Ende des Tages bleibt aber doch die nachprüfbare Tatsache biologischer Unterschiede zwischen Mann und Frau, so daß ein “altertümliches” Verständnis der jeweiligen Rollen in einer Partnerschaft gar nicht so weit hergeholt und zumindest weiter zu diskutieren ist. Männer tragen keine Kinder aus, sie gebären und stillen sie nicht - die Natur hat es so eingerichtet, vielleicht ist für manche Familie die Arbeitsteilung mit dem Mann als “Ernährer” doch gar nicht so schlecht.
Die Prämisse die Berufstätigkeit einer Mutter gleich wertvoll zu schätzen wie ihr Ganz-Dasein für die Kinder würde ich auch nicht einfach als gegeben annehmen: arbeiten können viele, Mutter für ein spezielles Kind ist immer nur EINE Frau und das Dasein für das Kind ist eine auf die Zukunft gerichtete Aufgabe, deren individuelle aber auch gesamtgesellschaftliche Bedeutung wohl nicht viele andere Jobs erreichen können. “Gute Kinderbetreuung” kann die gute Mutter nicht ersetzen, das ist Wunschdenken derer, denen zuHause die Decke auf den Kopf fällt - und vieler Politiker, die gar nicht früh genug die prägenden Hände des Staates an den jungen Seelen sehen wollen. Wahr ist, daß viele Familien sich eine Vollzeit-Mutter heute nicht leisten können und dann notgedrungen die zweitbeste Lösung wählen müssen.
Und dann die Semantik: Wie hier mit dem Ruf nach “Wahlfreiheit” schon wieder neue “Akte sozialer Gerechtigkeit” einzufordern, ist Mainstream-Denken geworden, aber nicht weniger problematisch und mit Blick auf die wirtschaftliche - und ethische - Leistungsfähigkeit der Gesellschaft, wie auch auf die Freiheit des Einzelnen als hohes Gut gefährlich - an wievielen Stellen und wie oft soll in unserer Gesellschaft eigentlich enteignet und umverteilt werden? “Wahlfreiheit” für die Menschen, selbst über die Art der Betreuung ihrer Kinder zu entscheiden, finde ich übrigens wichtig, aber wenn schon wieder die Gesellschaft das finanzieren soll, dann bitte zumindest in gleicher Weise auch die Entscheidung für das “veraltete” aber definitiv funktionalere und biologisch-ethisch sinnvollere Familienbild der eigenen Kinderfürsorge, ansonsten ist auch dieser Begriff Wahlfreiheit nur eine Worthülse, die wahre Intentionen verschleiern soll.
Daß berufliches Engagement und angemessene Fürsorge für die eigenen Kinder einander nicht ausschliessen, mag so sein und ist zu wünschen - aber solange unsere Tage 24 Stunden haben, kann die Zeit, die im Beruf verbracht wird bedauerlicherweise eben nicht dem Familienleben und den Kindern gewidmet werden.
Und wieso ist es “unangemessen”, wenn junge Frauen sich entscheiden, im Interesse der Zuwendung zu ihren Kindern ihren Beruf “fortan auf Sparflamme” zu schalten? Das ist das doch v.a. ein recht selbstbezogenes Argument derer, die den Sinn ihres Lebens in der tagesaktuellen Selbstverwirklichung aber eben nicht im in die Zukunft reichenden Überindividuellen sehen und deswegen genau das tun, was sie nicht zugeben wollen, nämlich die hauptberufliche Mutter als Frau zweiter Klasse anzusehen und abzuwerten - und ihre eigenen Wertvorstellungen über den Weg des Staates Anderen aufdrücken wollen. Vielleicht ist die Entscheidung sich ganz den eigenen Kindern und damit deren und einer größeren, wichtigeren Zukunft zu widmen, doch die wertvollere und einsichtigere und menschlichere? Eine Gesellschaft die ihre Kinder nicht zunehmend als die Selbstverwirklichung störend entsorgt, muss vielleicht auch weniger beobachten, wie den gealterten Eltern als Senioren später von ihrer bindungsarmen Kinder Hand das gleiche Schicksal blüht.
Und daß bei über 4 Millionen Arbeitslosen die Wirtschaft auf die Arbeitskraft der erziehenden Mütter nicht zumindest für begrenzte Zeit verzichten kann, ist ein Argument, dem ich überhaupt keinen Sinn abgewinnen kann: sind die 4 Millionen alles Unqualifizierte? Dann wäre vielleicht hier auch einmal anzusetzen.
Oberste Priorität unserer Familienpolitik sollte sein, Eltern die Option zu ermöglichen, sich selbst um die Erziehung ihrer Kinder zu kümmern und sie nicht in fremde Hände und gar die des Staates geben zu müssen, und Bildung mindestens so wie Bildung zu betonen - auch wenn das hiesse, z.B. den Vorschlägen von Bischof Mixa unvoreingenommenes Gehör zu schenken.
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[…] An diesen Slogan aus einer Folge der “Simpsons”-Zeichentrickserie (Homer kandidiert - natürlich - für ein öffentliches Amt) fühle ich mich bei der Diskussion um die Finanzierung neuer “Kitas” (Kindertagesstätten) erinnert: Herr Beck, SPD-Vorsitzender, möchte die Finanzierung über Einschränkung des steuerlichen Ehengattensplittings (und Aussetzung einer Kindergelderhöhung) machen, Herr Stoiber, nicht weniger “sozial”, bietet einen Teil der Mehrwertsteuererhöhung (oder erhöhen wir die vielleicht gleich wieder mal?) an. In jedem Fall sollen v.a. diejenigen, die das Angebot von Kitas gar nicht in Anspruch nehmen werden oder können - z.b. Kinderlose oder mal wieder die gutsituierten Einverdienerfamilien, sowieso aus “sozialer” Sicht der volle Abschaum - den “Löwenanteil” (O-Ton Beck) der Finanzierung erbringen. Natürlich werden auch Eltern, die ihre Kinder bewußt nicht in Kitas geben, sondern zu Hause erziehen wollen, über Steuer und Kindergeldreduktion mit finanzieren sollen. Also auf jeden Fall “jemand anders”. Das ist sozial und gerecht, nicht wahr.Und “wahlfrei” (wie ich diese leeren Worthülsen und das Lügen mittels pervertierten Wortgebrauchs hasse). Schliesslich ist es ja wirklich nicht haltbar, daß in Westdeutschland nur 8% der Kinder in eine Kita gehen, während das im Osten 40% sind (ARD-Angaben heute) - diese “Lücke” muß doch geschlossen werden, der Westen ist immer noch nicht ganz DDR-mäßig, da muß man was tun! Mal meine Frage: wenn der Kitabesuch doch freiwillig sein soll und die Eltern eine Wahlmöglichkeit haben sollen (vielleicht könnte man ja auch die freiwillige Wahl der Kinderlosigkeit oder das unfreiwillige körperliche Schicksal von Kinderlosigkeit gleicht mitrespektieren), warum lassen wir die Kitas denn nicht einfach von denen finanzieren, die sie auch nutzen wollen? Also wer sein Kind in eine Kita gibt, zahlt einen Beitrag, der hoch genug ist, um eine Kita zu finanzieren. Das nennt man dann Privatwirtschaft und ich habe schon mal gehört, daß so etwas - Privatwirtschaft nämlich - funktionieren soll. Zugegeben - es wird dann an dieser Stelle niemand zu etwas gezwungen, die ganze schöne normative Kraft der Poltik verpuffte dann, und umverteilt würde dann auch an dieser Stelle nicht. Wenn nicht umverteilt wird, ist´s wahrscheinlich weder sozial noch gerecht, werden Herr Beck, Herr Stoiber, Frau von der Leyen (gehören wahrscheinlich alle ein und derselben Partei an) denken, deswegen kommen sie auf so einen Gedanken gar nicht. Christlich wäre, Herr Ministerpräsident Stoiber, übrigens, den Menschen, die sich eine Kita dann so finanzieren, jeweils zu überlassen, ob sie über ihre Beiträge dann auch Plätze für Kinder von Eltern, die den Beitrag nicht aufbringen können, einrichten und finanzieren wollen - oder nicht - und wie viele und für wen. Das nennt man dann karitatives Handeln und es sollte in das Ermessen des Einzelnen gestellt werden und nicht staatlich aufgezwungen. Ich glaube, mancher wäre überrascht, wie viel karitatives Handeln Menschen freiwillig erbringen würden! Dieser Staat aber will unablässig weiter bevormunden und entmündigen und regulieren, ich habe das so satt! Mit dem Geld anderer Leute zu hantieren ist für unsere Politiker einfach der allergrößte Spaß. Achso: nein, ich denke nicht, daß man Menschen fürs Kinderbekommen und Kinderhaben bezahlen sollte. Auch das ist eine freiwillige - schöne! - Entscheidung, der Staat hat da weder so noch so einzugreifen. Vielleicht muß er sein unsinniges Umlagemodell bei der Finanzierung z.B. der Altersrente oder der Krankenversicherung, aufgeben zugunsten einer Altersvorsorge, die jeder für sich selbst und seine Familie gestaltet - aber Kinder als Umlagebasis scheint mir sowieso der falsche Gedanke, Kinder haben Menschen aus ganz anderen, viel wichtigeren und viel transzendenteren Gründen - bezahlen jedenfalls dafür braucht die Gesellschaft nicht, es reicht schon, wenn sie sich über Kinder freut und sie willkommen heisst. Beck, Stoiber, Mehrwertsteuer, Kita, Kindertagesstätte, Kinderkrippe, Sozialisten, Finanzierung, Steuern, Kindergeld, Ehegattensplittung, von der Leyen, karitatives Handeln […]
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