Kann das nicht jemand anderes machen?

An diesen Slogan aus einer Folge der “Simpsons”-Zeichentrickserie (Homer kandidiert - natürlich - für ein öffentliches Amt) fühle ich mich bei der Diskussion um die Finanzierung neuer “Kitas” (Kindertagesstätten) erinnert:
Herr Beck, SPD-Vorsitzender, möchte die Finanzierung über Einschränkung des steuerlichen Ehengattensplittings (und Aussetzung einer Kindergelderhöhung) machen, Herr Stoiber, nicht weniger “sozial”, bietet einen Teil der Mehrwertsteuererhöhung (oder erhöhen wir die vielleicht gleich wieder mal?) an.

In jedem Fall sollen v.a. diejenigen, die das Angebot von Kitas gar nicht in Anspruch nehmen werden oder können - z.b. Kinderlose oder mal wieder die gutsituierten Einverdienerfamilien, sowieso aus “sozialer” Sicht der volle Abschaum - den “Löwenanteil” (O-Ton Beck) der Finanzierung erbringen. Natürlich werden auch Eltern, die ihre Kinder bewußt nicht in Kitas geben, sondern zu Hause erziehen wollen, über Steuer und Kindergeldreduktion mit finanzieren sollen. Also auf jeden Fall “jemand anders”. Das ist sozial und gerecht, nicht wahr.Und “wahlfrei” (wie ich diese leeren Worthülsen und das Lügen mittels pervertierten Wortgebrauchs und mit Schleierbegriffen hasse).

Schliesslich ist es ja wirklich nicht haltbar, daß in Westdeutschland nur 8% der Kinder in eine Kita gehen, während das im Osten 40% sind (ARD-Angaben heute) - diese “Lücke” muß doch geschlossen werden, der Westen ist immer noch nicht ganz DDR-mäßig, da muß man was tun!

Mal meine Frage: wenn der Kitabesuch doch freiwillig sein soll und die Eltern eine Wahlmöglichkeit haben sollen (vielleicht könnte man ja auch die freiwillige Wahl der Kinderlosigkeit oder das unfreiwillige körperliche Schicksal von Kinderlosigkeit gleicht mitrespektieren), warum lassen wir die Kitas denn nicht einfach von denen finanzieren, die sie auch nutzen wollen? Also wer sein Kind in eine Kita gibt, zahlt einen Beitrag, der hoch genug ist, um eine Kita zu finanzieren. Das nennt man dann Privatwirtschaft und ich habe schon mal gehört, daß so etwas - Privatwirtschaft nämlich - funktionieren soll. Zugegeben - es wird dann an dieser Stelle niemand zu etwas gezwungen, die ganze schöne normative Kraft der Poltik verpuffte dann, und umverteilt würde dann auch an dieser Stelle nicht. Wenn nicht umverteilt wird, ist´s wahrscheinlich weder sozial noch gerecht, werden Herr Beck, Herr Stoiber, Frau von der Leyen (gehören wahrscheinlich alle ein und derselben Partei an) denken, deswegen kommen sie auf so einen Gedanken gar nicht.

Christlich wäre - Blick auf die Unionsparteien - übrigens, den Menschen, die sich eine Kita dann so finanzieren, jeweils zu überlassen, ob sie über ihre Beiträge dann auch Plätze für Kinder von Eltern, die den Beitrag nicht aufbringen können, einrichten und finanzieren wollen - oder nicht - und wie viele und für wen. Christentum basiert auf Freiwilligkeit. Das nennt man dann karitatives Handeln und es sollte in das Ermessen des Einzelnen gestellt werden und nicht staatlich aufgezwungen. Ich glaube, mancher wäre überrascht, wie viel karitatives Handeln Menschen freiwillig erbringen würden - und so etwas ist dann gut für die Gesellschaft und die Menschen in ihr.

Dieser Staat aber will unablässig weiter bevormunden und entmündigen und regulieren, ich habe das so satt! Mit dem Geld anderer Leute zu hantieren ist für unsere Politiker einfach der allergrößte Spaß.

Achso: nein, ich denke nicht, daß man Menschen fürs Kinderbekommen und Kinderhaben bezahlen sollte. Auch das ist eine freiwillige - schöne! - Entscheidung, der Staat hat da weder so noch so einzugreifen. Vielleicht muß er sein unsinniges Umlagemodell bei der Finanzierung z.B. der Altersrente oder der Krankenversicherung, aufgeben zugunsten einer Altersvorsorge, die jeder für sich selbst und seine Familie gestaltet - aber Kinder als Umlagebasis scheint mir sowieso der falsche Gedanke, Kinder haben Menschen aus ganz anderen, viel wichtigeren und viel transzendenteren Gründen - bezahlen jedenfalls dafür braucht die Gesellschaft nicht, es reicht schon, wenn sie sich über Kinder freut und sie willkommen heisst.

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Comments 6

  1. Rayson wrote:

    Na, dann werde ich mal auf diesem Blog einen Kommentar hinterlassen. Schade, dass er OT ist ;-) Wollte nur mitteilen, dass ich interessiert mitlese.

    Posted 06 Mar 2007 at 1:22 am
  2. Marchal wrote:

    @Rayson: Freut mich :-)
    Bitte noch RealName angeben, das wäre nett.
    Danke fürs Mitlesen, obwohl der Leserbrief sich erst noch richtig entwickeln muß.

    Posted 07 Mar 2007 at 12:21 pm
  3. Rayson wrote:

    Real Name gibt’s nicht, sorry. Ist ein Prinzip. Ich bemühe mich aber, mich so zu verhalten, dass der Name “Rayson” nicht verbrannt wird. Mehr kann ich nicht versprechen. Wenn dir das nicht reicht, ziehe ich mich natürlich zurück.

    Posted 07 Mar 2007 at 9:27 pm
  4. Marchal wrote:

    @Rayson: Realnames sind keine Voraussetzung um auf meinem Blog zu lesen oder zu posten. Pseudonyme haben in der “DFÜ” = “Datenfernübertragung” Tradition. Ich selber konnte nie wirklich etwas damit anfangen - muß jeder selbst entscheiden natürlich. Die Bitte war nicht böse gemeint.

    Posted 07 Mar 2007 at 9:34 pm
  5. Rayson wrote:

    Danke. Wir sind, deiner privaten Website folgend, übrigens gar nicht so weit voneinander entfernt, was die Berührungspunkte zu Netzwerken und Computern betrifft. Regional dagegen schon sehr, jedenfalls gedanklich (wohne zwar in KA, bin aber dennoch Niedersachse durch und durch).

    Ach ja, und politisch auch nicht, obwohl ich Tag für Tag immer liberaler/libertärer werde, denn ich komme eigentlich aus der konservativen Ecke.

    Posted 07 Mar 2007 at 10:04 pm
  6. Marchal wrote:

    @Rayson: Ich habe mich selbst auch immer als konservativ gesehen und bezeichnet - allerdings lerne ich immer mehr dazu, daß ich darunter schon immer viel davon verstanden habe, was heute als “libertaer” oder neoliberal bezeichnet wird. Von übermässigem staatlichen Interventionismus habe ich nie viel gehalten. (Ronald Reagan war und ist mein Held seit den späten 70er Jahren). Und ich fühle mich im Spektrum meiner Partei immer weniger repräsentiert, und ich leide auch darunter. “Leserbrief” ist ein bisschen ein Ausdruck dieses Leidens.

    Posted 07 Mar 2007 at 10:29 pm

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