Der Zweiklassenstaat-Lauterbach

Professor Karl Lauterbach, die Lichtgestalt der Gesundheitspolitik unserer Tage, hat ein Buch geschrieben.
Das Feuilleton der F.A.Z. hat dazu am 29.Juni einen Artikel von Joachim Müller-Jung “Lauterbachs Schrei” abgedruckt, der mich ziemlich in seiner indifferent-zustimmenden Art erstaunt und empört hat, zumal von Carlos A.Gebauer in derselben Zeitung einige Tage zuvor bereits eine sehr gute Analyse des Lauterbachschen Werkes zu lesen gewesen war (”…reduzieren den bisherigen Gesundheitsexperten auf ein durchaus schlichtes Maß…Das Buch ist … Selbstdemontage”).

Vielleicht habe ich den Feuilletonbeitrag von Herrn Jung zu dem Buch ja einfach nur mißverstanden und zu wenig zwischen den Zeilen gelesen - so aber war ich über den Tenor des Artikels in einer Zeitung, die ich als freiheitlich-orientiert einschätze, doch sehr verwundert. Daß Karl Lauterbach ziemlich eindeutige ideologische Ziele verfolgt und dies mit großem publizistischen Einsatz seiner Person ist nicht neu - zustande gebracht hat er bislang, worauf Herr Jung immerhin hinweist - nichts wirklich vorzeigbares, wie auch mit seinen meiner Meinung nach oft abstrusen Ideen. Daß seine krass-sozialistische Propaganda aber einen eher positiven Widerhall im Feuilleton der FAZ findet, verwundert mich doch.

Dabei ist doch Einiges gegen die vorgebrachten Thesen und Forderungen zu sagen (und gesagt worden!):

Die Grundprämisse einer zunehmenden Zweiklassenmedizin schon ist doch zu hinterfragen bzw. die Definition eines solchen Begriffes. Wird denn nicht laufend z.B. von der Gesundheitsministerin, bescheinigt, daß nach wie vor jeder GKV-Versicherte alles medizinisch Notwendige zu Lasten seiner Krankenkasse bekommt? Und die Mär von den Spezialisten, die den GKV-Patienten nicht ausreichend zur Verfügung stünden, ist doch nichts als eine urban legend - daß es Ärzte und Ärztinnen gibt, die nicht (mehr) Vertragsärzte der GKV sein wollen und nur auf private Rechnung behandeln, heisst doch nicht, daß diese unersetzlich sind und als Krone der medizinischen Versorgung GKV-Patienten vorenthalten werden (wobei die Frage, warum es immer mehr Ärzte in dem immer wahnsinnig-bürokratischer werdenden System der GKV nicht aushalten oder eine Mitarbeit darin gar nicht mehr anstreben, in realiter sicherlich zu anderen Ergebnissen führen würde, als Karl Lauterbach und seine Genossen denken). Und wo ich beim Notwendigen und Realen bin, ist es immer noch interessant zu sehen, wie groß die Unterschiede z.B. einer hausärztlichen Inanspruchnahme zwischen GKV- und PKV-Versicherten sind - 20 mal im Quartal wegen “banaler” Erkrankungen beim Hausarzt vorstellig geworden zu sein ist meist kein sicherer Hinweis auf das Vorliegen einer Privatversicherung - will heißen, daß interessanterweise PKV-Patienten häufig weniger Kassenleistungen einfordern als die Versicherten der solidarischen GKV. Soweit zur Solidarität des staatlich Berechtigten.

Aber selbst wenn die These von der besseren medizinischen Versorgung der für ihre eigene medizinische Versorgung aus eigener Kraft sich privat Versichernden zutreffen würde- daß also 10 Prozent der Bevölkerung in dieser Hinsicht auf der Basis ihrer eigenen finanziellen Leistungen (!) besser gestellt sind, als die übrigen 90 Prozent - stellt sich doch die finanzmathematisch-wirtschaftliche Frage, was denn für den Einzelnen dieser 90 Prozent tatsächlich materiell zu gewinnen wäre, wenn man den 10 Prozent PKV-Patienten ihre “Vorteile” wegnehmen würde - würde sich das wirklich bemerkbar machen oder würde es nur den Einen schlechter und den Anderen - unterstützt auch durch die schon wieder notwendige Bürokratie - gar nicht wirklich besser gehen. Also nur eine Angleichung aller auf einem niederen Niveau? “Gerechte Verteilung” eines immer größeren Mangels wie in der guten alten DDR? Womit ich beim Kern sozialistischer Forderungen allerorten angekommen wäre: auf dem heutigen Niveau staatlicher Umverteilung und Alimentierung Aller geht es doch gar nicht mehr so sehr darum, daß es jemandem noch besser gehen soll. Es geht um Gleichmachen, um Verwischung auch der letzten Unterschiede, es geht um puren, blanken Neid! Neid ist meiner Ansicht nach der Kern, der Ursprung, die Basis und die Essenz des Sozialismus nicht nur Lauterbachscher Prägung, gehässiger, bösartiger, auch destruktiver Sozialneid.



Wieviel Solidarität sollen “die Reichen” (und Vorsicht, mancher würde sich wundern, wer da aus sozialistischer Sicht alles dazugehört!”) denn in dieser Gesellschaft eigentlich erbingen und an wie vielen Stellen? Steuer und Steuerprogression verteilen um in unerhörtem und nie dagewesenen Maße - auch die GKV wird zunehmend durch Steuern subventioniert, also sowieso schon auch durch die Versicherten der PKV - aber das reicht den von Neid Getriebenen nicht; an immer neuen Stellen unseres Systems wird umverteilt, täglich kommen neue dazu, immer mehr “Solidarität” der “starken Schultern” wird eingefordert und zwangseingetrieben. Und das, was am Ende überbleibt, darf dann auch nicht frei an selbtgewählte Erben weitergegeben werden, sondern unterliegt wieder staatlich-sozialistischen Umverteilungsansprüchen!

Nur was das Ziel, der Endpunkt, dieser Forderungen ist, wird (noch) nicht wirklich ehrlich und eindeutig benannt: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen? Nicht Leistung soll sich lohnen, sondern einfach das Da-Sein? Materiell sollen alle gleich gestellt sein, egal wieviel sie zum Wohlstand beitragen, wieviel Leistung sie erbingen, meinetwegen auch wieviel Glück, Talent, welche Karten sie in der Hand haben? Schalmeien und Wolkenkuckucksheim! Humbug und Augenwischerei! Abgesehen davon, daß hier Gleichheit endgültig über Freiheit gestellt wird - was ich entschieden als unmenschlich und unhumanitär genauso wie als materiell-teleologisch fatal ablehne! - frage ich mich, warum Sozialisten und Andere so gar nichts aus den fehlgeschlagenen sozialistischen Experimenten überall in der Welt über mehrere Jahrzehnte hinweg gelernt haben? Macht der Neid so blind, der Sozialhaß so uneinsichtig, daß auch so eindeutig nachgewiesene Unsinnigkeiten und Fehlwege nicht erkannt werden?

Aber damit habe auch ich mich hier bereits in die propagandistische Rhetorik und den politischen Kampfbegriff von den zwei Klassen hineinziehen lassen: wieso eigentlich gerade zwei? Weil es so leichter ist, propagandistisch die “eine ” gegen die “andere” aufzuhetzen? Ist es nicht so -und sollte es nicht auch so sein! - daß über das medizinisch Notwendige hinaus, das die gesetzliche Krankenversicherung für jeden leistet, jeder das Maß an Bequemlichkeit, Komfort und Luxus bestellen und “kaufen” kann, das er sich für sich und die Seinen leisten kann - so wie in allen anderen Bereichen des Lebens doch auch (noch immer)? Also doch eher viele (!) Klassen mit ausreichender - und immer noch sehr, sehr guter - solidarischer Basisversorgung für alle und jeden!

Wir brauchen in Deutschland keinen Kassenkampf und Klassenkrampf mehr, nichts weniger als das, wir brauchen die Kraft, die Begeisterung, die Motivation, die Energie selbstständiger Menschen, die aus Freiheit entsteht, und daraus, dass Leistung - und auch Besitz!- sich lohnen! Früchte des eigenen Seins und eigenen Schaffens sollen und dürfen genutzt und genossen werden! Kranken- und sonstige Sozialversicherungen dürfen nicht länger und schon gar nicht immer mehr als Mittel sozialistischer Umverteilung und staatlicher Lenkung missbraucht werden! Erfolg, Leistung, auch Glück sind sexy und staatliche Alimentierung und haltlose Dauerbedürftigkeit sind es nicht! Gesellschaftliche Unterschiede schaffen Kraft und Energie! Tüchtiges Schaffen des Einzelnen für sich und die Seinen, eigenständiges Streben nach Erfolg und die Früchte der eigenen Arbeit geben langfristig Lebensglück, nicht gierig Anderen entrissene Brotkrumen, um die sich proletarisch-egalitäre Interessenvertreter argwöhnisch-misstrauisch immerwährend streiten! Kraft und Wohlbefinden einer Gesellschaft erwachsen aus der begeisterten Arbeit des Einzelnen für sein Wohl und das seiner Nächsten, und ständige staatliche Umverteilung und Regulierung saugen und zehren an dieser Fähigkeit einer Gemeinschaft freier Menschen, Wohlstand für alle zu schaffen und zu bewahren, wie Zecken und Wanzen.



Allerdings: wir brauchen dazu genausowichtig eine humanitäre Haltung aller Menschen in einer freien Gesellschaft, die zu ungegängelter und freiwilliger und damit echter Solidarität und Mitmenschlichkeit führt. Eine solche, die nicht sozialneidische Diesseitigkeit, sondern nur transzendenter Blick uns (wieder) lehren können, die nicht staatlich-gesetzlich verordnet und befohlen werden kann, die auf menschlicher Vernunft und vernünftigem Glauben beruht, wird aber durch Klassenhass und immer mehr staatliche “Ordnungspolitik” auf der Basis dieses virulenten dumpf-sozialistischen Materialismus in keinster Weise gefördert, sondern immer weiter abgestumpft und abgetötet, bis wir endgültig zu der bloßen Tierart werden, als die uns der Marxismus ohnehin sieht.

Technorati Tags , , , , , , , , , , ,

Trackbacks & Pingbacks 2

  1. From Dominik Hennig: Die Demaskierung eines Scharlatans on 04 Jul 2007 at 2:18 pm

    Kramer auto Pingback[…] “Der Zweiklassenstaat”.Labels: Machtwahn, Politik, Volksgesundheitsfaschismus # posted by Dominik Hennig @ 5:30 AM   Comments: Siehe auch meinen “Leserbrief” an diebitte: Der Zweiklassenstaat-Lauterbach . # posted by Christian : 6:18 AM   Post a Comment <<Home […]

  2. From Studenten.de Blog » Blog Archiv » Gericht verbietet Karl Lauterbach Zitatverfälschung on 05 Jul 2007 at 10:13 am

    Kramer auto Pingback[…] Kommentare Leserbrief* bei Gericht verbietet Karl Lauterbach ZitatverfälschungCrown bei Wirtschaft attackiert Merkels KlimaschutzpolitikCrown bei UEFAFußball-Europameisterschaft 2008 in Österreich/Schweiz / EM 2008 auf ARD und ZDF / Einigung um ÜbertragungsrechteCrown bei Schriftsteller schreibt 384-seitigen Roman mit seinem HandyCrown bei Forsa-Umfrage im Auftrag der Gesundheitszeitschrift HEALTHY LIVING: Nur noch jeder zweite Deutsche trinkt Leitungswasser […]

Post a Comment

You must be logged in to post a comment.