Arroganz abstrafen

Zum Artikel “In medias res” über die Kritik des FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle an der einseitigen Fernsehduellgestaltung der ARD (FAZ vom 25.06.2009, Seite 35):

Die Haltung der ARD zur Gestaltung eines “Fernsehduells” zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier alleine, ohne Miteinbeziehung der Spitzenkandidaten der übrigen Bundestagsparteien, ist meiner Ansicht nach antiquiert und überholt - wenn sie denn überhaupt jemals berechtigt war. Aktuell jedenfalls werden weder Frau Merkel noch Herr Steinmeier mit den Stimmen ihrer jeweiligen Fraktionen alleine Bundeskanzler werden können - es wird nach der Bundestagswahl wieder eine Koalitionsregierung geben, so viel ist doch sicher. Damit sind die jeweiligen Absichten, Programme und Kandidaten von CDU und SPD, selbst wenn sie stark unterschiedlich wären, wobei sie sich im übrigen ja ohnehin einen verzweifelten Ähnlichkeitswettkampf liefern, doch keinesfalls interessanter als die von Grünen, Linken und FDP - keiner wird sein Programm pur durchsetzen können. Zudem können wir uns bei Union und SPD doch ohnehin an ihren gemeinsamen Taten der letzten Jahre orientieren - visionsloses Klein-Klein, Wortnebel, immer mehr Staat, immer mehr Regulation, Aufblähen der Bürokratie, überbordende Staatsverschuldung, überbordende Steuern mit scheinheiligen Pseudoerleichterungen zu Wahlterminen, kollabierendes Gesundheitssystem etc. - was braucht es da viele Worte? Dass entweder Frau Merkel oder Herr Steinmeier am Ende Kanzler werden oder bleiben ist ja auch nur unter der (zugegeben immer noch wahrscheinlichen) Hypothese abgemacht, dass CDU/CSU oder SPD stärkste Partei werden; das muss aber keineswegs zwingend immer so sein - und wenn es nach mir ginge, sähe das schon in diesem Herbst ganz anders aus; dann hätte man eine Sendung mit nur zwei Kandidaten irgendwelcher Parteien gemacht und die eigentlichen Sieger in die “sonstige” Sendung “Kleines Fernsehduell” verbannt - aus meiner Sicht journalistisch falsch und moralisch und rechtlich bedenklich, jedenfalls unfair und unberechtigt. Mit der sehr intensiven Vertretung von CDU/CSU und SPD in den Gremien des öffentlich-rechtlichen Fernsehens hat das nicht zufällig zu tun, oder? Wenn man schon aufteilen will, so fände ich ein “Duell” zwischen Frau Merkel und Guido Westerwelle in einer Sendung und Frank-Walter Steinmeier und Linken und Grünen in einer anderen viel informativer und spannender. Es würde wohl auch deutlicher erkennen lassen, dass im September derjenige, der zum Wohle des Landes “rechts” wählen will, die FDP (und meinetwegen der, der immer noch “links” wählen will, die Linke oder die Grünen) wählen und die Wischi-Waschi-Regieren-um-jeden-Preis-Parteien meiden sollte - womit ganz nebenbei die Arroganz sowohl der Gestalter als auch der Teilnehmer des “Fernsehduells” in der geplanten Form einen deutlichen Dämpfer erhalten würde. Wahlergebnisse kann die ARD nicht so “mit einem Handstreich vom Tisch” wischen. Mein Fazit: wenn die ARD an ihren Plänen zu einem Fernsehduell Merkel/Steinmeier/kein Anderer festhält, werde ich am betreffenden Abend diesen “Witz” sicherlich auslassen und lieber ein gutes Buch oder die FAZ des Tages lesen - auch Einschaltquoten wischen sich nicht so gut!

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